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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Draculas Hexenjagd (1971)
BeitragVerfasst: 20. Jan 2013, 20:50 
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Vampir-Adel

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DRACULAS HEXENJAGD

(GB 1971)
(Ot: TWINS OF EVIL / US-Titel = TWINS OF DRACULA)

Peter Cushing - GUSTAV WEIL
Madeleine Collinson - FRIEDA /// Mary Collinson - MARIA
Damien Thomas - GRAF KARNSTEIN /// David Warbeck - ANTON HOFFER
Kathleen Byron - KATY WEIL
Regie : JOHN HOUGH
Laufzeit ca. 83 min
FSK ab 16 Jahren
deutsche EA am 14.4.1972

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Schwarz geskleidete Gestalten sind mit ihren Pferden nachts unterwegs, sehen eine Frau auf dem Waldweg, die sogleich von ihnen eingefangen wird, nur um sie kurz darauf auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. Sie nennen sich DIE BRUDERSCHAFT und ihr Anführer ist Gustav Weil. Dieser ist ein extrem fanatischer religiöser Eiferer, der Unzucht und Unmoral in seiner Umgebung gnadenlos ausrotten will. Diesem Hexenjäger reicht schon eine geringe Vermutung bei diversen Leuten aus, um sie zum Tode auf dem Scheiterhaufen zu verurteilen.

Gustav, fanatisch in seinem Element

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Hier ist mal wieder eine Frau auf dem Scheiterhaufen gelandet

Eines Tages tauchen zwei Zwillingsschwestern, die zu Vollwaisen wurden bei ihm auf. Es sind seine Nichten, Maria und Frieda. Onkel Gustav nimmt sie bei sich auf. Dabei ist die erste Begegnung zwischen ihnen nicht gerade freundlich, denn er tadelt sie schroff, aufgrund ihrer Kleidung, die seiner Meinung nach viel zu freizügig ausfällt.

Hoch oben, das schöne Schloß Karnstein
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Eines Nachts kommt es zur Konfrontation mit Gustav und Graf Karnstein, denn beide hassen sich. Gustav kann aber gegen den Adeligen nichts unternehmen, weil der unter dem Schutz des Kaisers steht. Aus Frust muß daraufhin gleich eine harmlose Frau im Feuer sterben. Graf Karnstein läßt auf seinem Schloss eine schwarze Messe abhalten, wo eine Frau auf dem Altar geopfert wird, aber der Teufel will sich ihm nicht zeigen. Stattdessen fließt unbemerkt das Blut der Frau in eine darunter liegende Ruhestätte und kurz darauf erscheint MIRCALLA, die den Grafen zum Vampir macht.

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Frieda, die eher angewidert von dem ist, was Onkel Gustav treibt, fühlt sich zum Schloss Karnstein hingezogen und so schleicht sie nächtens aus dem Haus, um beim Grafen zu sein. Dieser macht Frieda zum Vampir, die kurz darauf sich über eine angekettete Frau hermacht und sie in die Brust beißt.

Graf Karnstein und Frieda
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Frieda hat ihren Blutdurst an der Dorfmaid gestillt

Als Gustav es mal wieder zu arg treibt und er auch keine Einsicht zeigt, das er einen Haufen Unschuldiger auf dem Gewissen hat, kommt es zum Konflikt mit dem Gelehrten und Lehrer Anton. Er verurteilt seine übertriebenen Hexenjagten und will es dem Kaiser melden. Daraufhin eskaliert das ganze und man bekommt es nun zusätzlich mit Vampiren zu tun...!

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Dies ist der dritte und letzte Film von Hammers sogenannter KARNSTEIN-TRILOGIE und es ist auch der, der sich am weitesten von der Romanvorlage SHERIDAN LE FANU'S entfernt hat. Diese Verfilmung hat nur noch den Namen Karnstein und die Vampirin Mircalla mit dem Roman gemein. Der deutsche Titel ist mal wieder total irreführend, denn Dracula kommt nicht vor und schon gar nicht bläst dieser zur Hexenjagd. Allerdings wollte Hammer damals wohl zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn sie verbanden die Vampirthematik mit dem damals aktuellen Hexenjägermotiv, was durch den Film DER HEXENJÄGER (1968) von Michael Reeves ausgelöst worden war.

Frieda, angezogen vom Landsitz Karnstein und dem Schloßherren
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Bei Nacht geht Frieda hinaus zum Schloß

Herausgekommen ist ein Film, wo die Grenzen zwischen Gut und Böse im gegenseitigen Fanatismus untergehen. Da hätten wir einen gewissen Gustav Weil, der immer das Böse dort vermutet, wo seiner Ansicht nach Unmoral herrscht. Dabei reicht es ihm schon aus, wenn nur eine Frau nachts unterwegs ist, aus welchen Gründen auch immer, um in ihr etwas zu sehen, was nicht in sein religiöses Weltbild passt und schon landet die auf dem nächsten Scheiterhaufen.

Der fanatische Gustav Weil
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raf Karnstein freut sich diabolisch, denn nun ist er selbst unsterblich

Und da wäre Graf Karnstein (nein, diesmal nicht ich :mrgreen: ), der auf seinem Schloss residiert. Er glaubt unantastbar zu sein und somit alles machen zu können. Er hält schwarze Messen ab, ist dem Satan dienlich, wurde selbst zum Vampir und hat treue Gefolgsleute um sich, wie z.B. seinen schwarzen Diener JOACHIM, der bedingungslos gehorcht.

Das Drehbuch von TUDOR GATES weist hier leider ein paar Lücken auf, wie z.B. als nächtens die Bruderschaft einen Toten findet, der offensichtlich anhand der Merkmale am Hals von einen Vampir gebissen wurde. Die Vampire kommen aber erst später in dieser Geschichte zum tragen und vorher war davon weder die Rede, noch weit und breit von ihnen etwas zu sehen und zu hören. Auch verschwindet MIRCALLA leider einfach so spurlos aus dieser Geschichte und ward nicht mehr gesehen. Möglicherweise wollte sich Hammer aber noch ein Türchen offenhalten für einen möglichen 4. "Karnstein-Film",...wer weiß. Interessant ist allerdings, das hier einer der Hauptfiguren Graf Karnstein ist, der ja in den vorigen Filmen meist nur nebenbei erschien. Mit Le Fanu's Geschichte ansich hat das zwar auch nicht viel zu tun, aber ich hätte mir gewünscht, das Graf und Comtessa Karnstein hier viel mehr zusammen präsent gewesen wären.

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PETER CUSHING ist hier ziemlich unsympathisch und unangenehm zu sehen. Als Gustav und Anführer einer Hexenjäger-Bruderschaft liefert er aber mal wieder eine beachtliche Leistung ab und bewies, das er auch ganz anders kann. Seine Vielseitigkeit als Schauspieler unterstreicht dies nur allzugut. Allerdings konnte sich Mr. Cushing in der Rolle auch nicht weiter entfalten, da das Drehbuch dies nicht vorsah und somit sein Gustav Weil einfach nur ein sturer Fanatiker ist.

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MADELEINE & MARY COLLINSON als gegensätzliche hübsche Zwillingsschwestern bereichern diesen Film in der Hinsicht, das eine dem Bösen verfällt und die andere auf dem Pfad der Tugend bleibt. Darstellerisch bleiben diese beiden hinter den anderen ein wenig zurück, aber es reicht.

DAMIEN THOMAS als Graf Karnstein glaubt nun die Unsterblichkeit erlangt zu haben und wie alle Karnstein's kann auch er sich am Tage irgendwo aufhalten ohne das ihm das Sonnenlicht etwas anhaben kann. Mit ihm und Gustav Weil treffen hier zwei böse Kontrahenten aufeinander.

Zwei, die sich gefunden haben. Graf und Frieda
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Nachts, auf dem Landsitz der Karnstein's

Regisseur JOHN HOUGH inszenierte einen guten Film, der auch wieder die klassische Gothic Horror-Atmosphäre verbreitet, wozu auch auch wieder die Musik von HARRY ROBINSON genial dazu beigetragen hat, der ja schon die vorigen Karnstein-Filme mit seiner Musik unterstützte. Ferner wieder diese alten schönen Inneneinrichtungen und Ausstattungen, besonders im Schloß, kommen hier voll zur Geltung und schafft Atmosphäre. Hammer setzte hier auch zunehmend mehr auf Sex und Gewalt. Das kommt besonders beim Finale sehr deutlich zum tragen, denn das hat es in sich, auch aus heutigen Gesichtspunkten. Aber auch schon vorher, wo Frieda einer gefesselten Dorfmaid in die Brust beißt oder wenn Gustav zwischendurch mal wieder eine Frau brennen sehen will. Die Effekte können sich sehen lassen und der Blutgehalt ist für damalige Verhältnisse nicht zu verachten, aber alles mit einem Gewissen Hammer-Niveau dargestellt.

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Obwohl der Film auf DVD als Amaray und in verschiedenen Hartboxen erschien, so gibt es seit kurzem eine sehr schöne Blu-ray Mediabook Ausgabe von Anolis. Da ist nur die Blu-ray drin mit Heftchen und natürlich jeder Menge Extras, die es vorher nicht gab. Das MB gibt es sogar in zwei Covervarianten. Ich persönlich entschied mich für Cover B, was das damalige USA-Motiv ist. Das Cover A ist das damalige Motiv aus Frankreich, was aber eher die abstrakte Filmplakatkunst made in Polen darstellt. :mrgreen:

Viele Hammerfans mögen auch diesen Film und ich natürlich ebenso. :)

9/10 Vampiren und Hexenjägern


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 Betreff des Beitrags: Re: Draculas Hexenjagd (1971)
BeitragVerfasst: 23. Jan 2014, 02:41 
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Draculas Hexenjagd aka Twins of Evil, wobei lediglich der Zweitgenannte wenigstens annähernd zur Storyline passt.

Der Film präsentiert sich mit einer Mischung von Vampir-/ Grusel- und ein wenig Familiendramathematik, wobei der Flair der
alten Hammerproduktionen an der Detailtreue, den Locations und der Atmosphäre durchaus wieder zu erkennen ist, aber nicht
an die "echten" Draculafilme heranreichen kann.

Einen Dracula gibt es in der Form nicht, nur einen gewissen Burgherren namens Karnstein, der erst im Laufe des Filmes selbst durch
etwas merkwürdige Geschehnisse zum Vampir wird. Wobei in einigen Einstellungen eine gewisse Änlichkeit zum Herren Lee vorhanden
sind, wirkt dieser Graf etwas blass und wenig bedrohlich. Genauso wie sein Gegenpart, verkörpert durch P. Cushing, der gewohnt souverän
spielt, aber auch schon in besseren Rollen zusehen war.

Eine Produktion, die nicht wirklich überzeugt, aber durch Bilder, Score und Atmosphäre trotzdem gut zu unterhalten weiss.

6/10 schwarze Mäntel

_________________
I don't think runnning will save you.


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 Betreff des Beitrags: Re: Draculas Hexenjagd (1971)
BeitragVerfasst: 26. Mär 2014, 14:14 
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Nachdem Anolis mit „Das Grüne Blut der Dämonen“ ihre neue Hammer Bluray Reihe eingeläutet hat, geht es mit Draculas Hexenjagd nun in die zweite Runde. Wurde man beim Grünen Blut noch mit einem recht ungewöhnlichen Hammerfilm überrascht, da erwartet einen bei der Hexenjagd ein klassischer Hammer, genau so, wie er im Buche steht.

Die beiden Waisen Frieda und Maria sind auf dem Weg in das Dorf Karnstein, nachdem ihre Eltern vor kurzer Zeit gestorben sind. Dort angekommen werden sie Zeugen, wie ihr Onkel Gustav eine vermeintliche Hexe nach der anderen verbrennt. Doch das wirkliche Grauen liegt ganz wo anders, hoch oben auf einem Berg sehen die beiden Mädchen das Schloss von Graf Karnstein und bald müssen nicht nur sie feststellen, dass der Graf nichts gutes im Schilde führt und so beginnt das Grauen!

Draculas Hexenjagd ist wahrlich ein ganz klassischer Hammer Film. Christliche Symbole so weit das Auge reicht, Frauen, die stets ihre besten Argumente präsentieren dürfen und Vampire. Man bekommt eben genau das was man sich bei einem solchen Film wünscht und erhofft. Peter Cushing als Hexenjäger Gustav spielt sich erneut die Seele aus dem Leibe und kann einen sofort durch seine allgegenwärtige Präsenz in den Bann ziehen. Auch die beiden Mädchen, welche von den Schwestern Mary und Madeleine Collinson gespielt werden, wirken wie Ying und Yang, Gut und Böse. Marie ist hier stets die vorsichtige und liebevolle, wohingegen Frieda rebellisch, aufmüpfig und böse ist. Und wie so oft verfallen alle Männer der bösen Frieda, da diese eine ganz besondere Aura ausströmt und dieses Zusammenspiel zwischen Gut und Böse ist einfach grandios eingebaut worden, sodass es einen nicht mehr los lässt. David Warbeck ist ein weiteres Highlight. Diesen sollten geneigte Horrorfans aus späteren Auftritten bei Fulci und Co. kennen.

Atmosphärisch spielt das Ganze auf, wie von Hammer nicht anders gewohnt, sehr hohem Niveau. Dieser Hauch von spätem 19. Jahrhundert ist allgegenwärtig und schafft es einen sofort in eine andere Welt zu entführen. Bereits vor dem Abspann wird man Zeuge der ersten Hexenverbrennung und bald darauf folgen weitere. Doch an sich sind die Hexen hier schlicht und ergreifend nicht vorhanden, denn die eigentliche Bedrohung ist, wie bereits gesagt, der böse Graf Karnstein. Zunächst nur ein merkwürdiger und exzentrischer Mann, der aber mit einem Mal zu etwas ganz anderem wird. Der Zuschauer wird hier eben nicht direkt mit einer bedrohlichen Präsenz wie in Dracula und Co. konfrontiert, sondern man erlebt die Verwandlung des Grafen mit.

Die Musik ist stets passend und bedrohlich, hält sich aber an den richtigen Stellen zurück. Auch bei den Effekten wird man absolut nicht enttäuscht und bekommt vielleicht sogar deutlich mehr, als man sich bei der Freigabe erhofft. Besonders am Ende wirft der Film nur so mit gorigen Effekten um sich. Doch der Film lebt eben nicht von seinen blutigen Effekten, sondern er wird dadurch lediglich abgerundet. Man wird dadurch noch tiefer in diese düstere Zeit gezogen und der Horror entfaltet sich noch mehr.

Fazit: Draculas Hexenjagd zählt vielleicht zu dem besten, was man neben den klassischen Hammerfilmen, wie Dracula und Frankenstein, kennen sollte. Atmosphärisch, düster und mit tollen Schauspielern wird man hier in eine andere Zeit entführt, aus der man erst nach dem Abspann wieder entkommen kann. Zudem wartet das ganze mit einer ordentlichen Portion Blut auf, sodass auch moderne Horrorfans unbedingt einen Blick riskieren sollten.

Zur Veröffentlichung: Anolis Entertainment spendiert auch diesem Film wieder eine grandiose Veröffentlichung. Neben der normalen Amaray gibt es diesmal gleich zwei Mediabooks, sodass die Wahl wirklich schwer fallen dürfte. Das Mediabook bietet wie von Anolis nicht anders gewohnt ein wunderschönes und liebevoll gestaltetes Booklet, welches erneut absolut lesenswert geworden ist. Die Bluray selber weiß sofort mit einer grandiosen Bildqualität zu begeistern und niemand würde bei der Sichtung annehmen, dass es sich um einen 43 Jahre alten Film handelt. Hier hat man wirklich alles herausgeholt. Auch beim Ton gibt es keinen Grund zu meckern. Alles klingt sauber und klar, genau so wie es sein muss. Und natürlich haben die Jungs sich bei den Extras auch nicht lumpen lassen. Neben einem informativen und interessanten Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, gibt es noch Trailer und die sehr sehenswerte Doku „The Flesh and The Fury“ auf der Scheibe zu entdecken. Doch das ist bei weitem nicht alles und so findet man noch zwei Interviews, entfernte Szenen, eine Super 8 Fassung, eine Bildergalerie, sowie Bilder zur Comic Adaption. Wieder einmal ein Rundumsorglospaket für jeden Hammerfan und alle die, die es noch werden möchten!

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Cyberpunk Kaiju Experimentalworld

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