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 Betreff des Beitrags: Schwarze Messe der Dämonen (1974)
BeitragVerfasst: 22. Jul 2013, 15:23 
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Originaltitel: L' Anticristo
Alternative Titel: Der Antichrist, Die Hexe von Rom, The Tempter
Produktionsland: Italien
Produktion: Edmondo Amati
Erscheinungsjahr: 1974
Regie: Alberto De Martino
Drehbuch: Gianfranco Clerici, Alberto De Martino, Vincenzo Mannino
Kamera: Joe D'Amato
Schnitt: Vincenzo Tomassi
Spezialeffekte: -
Budget: ca. -
Musik: Ennio Morricone, Bruno Nicolai
Länge: ca. 111 Minuten
Freigabe: ungeprüft
Darsteller: Carla Gravina, Mel Ferrer, Arthur Kennedy, Alida Valli, Anita Strindberg, George Coulouris, Mario Scaccia, Umberto Orsini


Inhalt:

Die querschnittsgelähmte Ippolita hört seit einiger Zeit, immer wieder komische Stimmen und hat dadurch eine übernatürliche Fähigkeiten erlangt. Dies ist allerdings alles andere als normal für ihre Umwelt und so versucht ihr Vater sie mit Hilfe eines Psychiaters behandeln zu lassen, dabei stellt sich heraus, dass Ippolita, bereits in ihrem vorherigen Leben einen Hang zur Übernatürlichkeit hatte. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf, denn nun versucht etwas die Macht über Ippolita zu ergreifen und Sie und ihre Familie in den Abgrund zu stürzen.


Trailer:
www.youtube.com Video From : www.youtube.com




Meinung:

Im Jahr 1974, genau ein Jahr nach dem Erfolgshit der Exorzist, brachte Alberto de Martino, mit der Antichrist, oder Schwarze Messe der Dämonen, wie der Film in Deutschland hieß, einen weiteren Schocker rund um das Thema Besessenheit. Aber wie gut ist dieser Film? Handelt es sich hierbei um eine einfache Kopie, oder kann der Film mit eigenen Ideen punkten?

Die querschnittsgelähmte Ippolita hört seit einiger Zeit, immer wieder komische Stimmen und hat dadurch eine übernatürliche Fähigkeiten erlangt. Dies ist allerdings alles andere als normal für ihre Umwelt und so versucht ihr Vater sie mit Hilfe eines Psychiaters behandeln zu lassen, dabei stellt sich heraus, dass Ippolita, bereits in ihrem vorherigen Leben einen Hang zur Übernatürlichkeit hatte. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf, denn nun versucht etwas die Macht über Ippolita zu ergreifen und Sie und ihre Familie in den Abgrund zu stürzen.

Die Geschichte von Antichrist ist wirklich außerordentlich gut und interessant geworden. Man merkt zwar hier und da, ganz klar das die Geschichte einige Ideen aus dem Exorzisten übernommen hat, dennoch schafft es der Film aber eine ganz eigene und sogar noch etwas interessantere Geschichte zu erzählen. Besonders die Rückblenden zum alten Leben von Ippolita sind einfach grandios und bieten zudem noch etwas mehr Gruselatmosphäre und Horror.

Die Schauspieler machen hier einen sehr guten Job, allen voran natürlich Carla Gravina als besessene Ippolita. Zunächst wirkt sie sehr zerbrechlich und fast unscheinbar, verändert ihren Charakter im Laufe des Filmes immer mehr und man erschreckt sich richtig, wenn man sie am Ende des Filmes wieder sieht. Aber auch George Coulouris, der den Father Mittner verkörpert, schwebt wie eine unsichtbare Präsenz während des gesamten Filmes über der Geschichte. Ohne ins Detail zu gehen, sieht man ihn von Beginn an und wundert sich über dessen Auftreten doch sehr, aber zum Schluss wird man dann von ihm und seiner Darbietung wirklich begeistert. Für Horrorfans auf jeden Fall ein schönes Detail, auch Alida Valli, welche vielen wohl aus Suspiria (als Miss Tanner) kennen dürften, sowie Mel Ferrer (Großangriff der Zombies, Lebendig gefressen) und auch Arhur Kennedy (Leichenhaus der lebenden Toten/Invasion des Zombies) liefern hier sehr gute Arbeiten ab.

Die Kamera, welche von niemand geringerem als dem leider bereits verstorbenen Joe D'Amato (in den Credits unter falschem Namen aufgeführt), begeistert von der ersten Sekunde an. Was zudem sehr positiv auffällt ist die Farbgebung, alles erinnert einen doch sehr stark an Suspiria, allerdings muss man bedenken, dass dieser erst 3 Jahre später gedreht worden ist. Besonders die starken Rottöne im Inneren des Hauses wissen zu begeistern. Aber auch die Szene im Wald, welche Fans sicherlich sofort vor Augen präsent ist, kann einfach nur begeistern. Die Musik von Ennio Morricone tut ihr übriges. Von der ersten bis zu letzten Minute herrscht in dem Film eine dermaßen dichte Atmosphäre, die durch die Geigen- und Klavierklänge nur noch weiter verstärkt wird. Für den Zuschauer gibt es kaum eine Minute in der er aus der Geschichte gerissen wird und etwas wie Langeweile verspürt.

Die Effekte sind für einen Film diesen Alters auch sehr ordentlich geworden. Natürlich kann und darf man hier keinen Blockbuster erwarten, aber dennoch passen die Effekte immer sehr gut aufs Gezeigte, ein Highlight dürfte hier wohl das Erwürgen des Heilers sein, welches so nicht einmal der Exorzist zu bieten hatte.

Die neue DVD von Illusions, welche mir zum Reviewzeitpunkt vorlag, bietet den Film in einer hervorragenden Bildqualität. Besonders gut zu sehen ist, das im direkten Vergleich mit den eingefügten Szenen aus der US DVD. Die US DVD wirkt gegen die neue Scheibe weitaus blasser und auch vom Bildformat her leicht gezoomt. Die BD, welche im kommenden Mediabook enthalten ist, bietet da sicherlich noch ein deutlich besseres Bild, aber selbst die DVD ist über jeden Zweifel erhaben. Man muss allerdings bedenken, das der Film mittlerweile fast 40 Jahre alt ist und so kommt es immer wieder zu kleinen Schäden im Bildmaterial. Der Ton kommt fast komplett rauschfrei daher und überzeugt auch. Der englische Ton liegt hier allerdings minimal über dem, dennoch sehr guten, deutschen Ton. Die deutschen Untertitel sind fehlerfrei und sehr gut geworden.

Fazit: Wer den Exorzist mochte, der wird den Antichrist lieben! Noch atmosphärischer, düsterer und einfallsreicher, als der Exorzist, gehört der Antichrist in jede gute Gruselsammlung. Unbedingt mal anschauen!

9/10 Punkten

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Cyberpunk Kaiju Experimentalworld

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 Betreff des Beitrags: Re: Schwarze Messe der Dämonen (1974)
BeitragVerfasst: 16. Dez 2013, 16:19 
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Schwarze Messe der Dämonen
(L'Anticristo)
mit Carla Gravina, Mel Ferrer, Arthur Kennedy, George Coulouris, Alida Valli, Mario Scaccia, Umberto Orsini, Anita Strindberg, Remo Girone, Ernesto Colli, Bruno Tocci, Beatrice De Bono, Vittorio Fanfoni, Luigi Antonio Guerra
Regie: Alberto De Martino
Drehbuch: Gianfranco Clerici / Alberto De Martino / Vincenzo Mannino
Kamera: Joe D'Amato
Musik: Ennio Morricone / Bruno Nicolai
ungeprüft
Italien / 1974

Nach einem von ihrem Vater verursachten Autounfall in ihrem 12. Lebensjahr, bei dem ihre Mutter starb, sitzt Ippolita im Rollstuhl, gelähmt und unglücklich - fernab von jeder Chance auf ein normales, aktives Leben. Die hochintelligente und sehr empfindsame Frau entwickelt jedoch nach einem Wachtraum seltsame Charakterzüge einer vom Teufel Besessenen und fängt an, ihre Umwelt zu terrorisieren. Sie versetzt diverses Mobiliar in den Schwebezustand, brüllt mit düsterer Männerstimme Obszönitäten und geifert ihre Familie zusammen. Offenbar gab es in der Familie schon einmal vor 400 Jahren den Fall einer Ippolita, die sich einer Dämonensekte verschrieb und sich mit dem Teufel paarte. Ein Priester macht sich schließlich an einen Exorzismus, doch der Horror fängt nun gerade erst an...


Nachdem nur ein Jahr zuvor William Friedkin's "Der Exorzist" erschien der übrigens immer noch einer der besten Horrorfilme aller Zeiten ist, präsentierte Alberto De Martino 1974 mit "Schwarze Messe der Dämonen" eine italienische Produktion, die sich ebenfalls der Thematik der Besessenheit widmete. Nun wird dieser Film von nicht wenigen Leuten als Rip Off des amerikanischen Vertreters bezeichnet und rein thematisch gesehen trifft das auch durchaus zu, doch die Geschichte lediglich als billige Imitation abzutun, würde ihr absolut nicht gerecht werden. Liegt hier doch eine eigenständige Story-Line vor, die zwar ganz bestimmt mehrere Ähnlichkeiten zu Friedkin's Werk aufweist, aber dennoch keinesfalls als Plagiat erscheint. Wie dem aber auch sein, im Prinzip stellt sich ausschließlich die Frage nach der Qualität des vorliegenden Filmes und diese kann sich allemal sehen lassen. Martino nimmt sich genügend Zeit, den Zuschauer ausführlich in das Geschehen einzuführen und legt sein Hauptaugenmerk dabei auf eine tiefer gehende Beleuchtung der Hauptfigur Ippolita, die von einer glänzend aufgelegten und sehr spielfreudigen Carla Gravina, die in meinen Augen eine absolut glänzende Performance an den Tag legt. Kommt dies schon in den ersten gut 60 Minuten zum Ausdruck, so verstärkt sich dieser Eindruck noch zusehends, als im letzten Drittel der Geschichte die Besessenheit der jungen Frau so richtig zum Ausbruch kommt.

Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Erzählweise der Abläufe eher recht bedächtig, man bekommt etliche Rückblenden in einen Teil von Ippolita's Familiengeschichte geboten und wird zusätzlich auch noch mit Bildern konfrontiert die sich um den tragischen Autounfall drehen, der für ihren Gesundheitszustand verantwortlich ist. Manch einem mag es in dieser Phase eventuell etwas am Tempo fehlen, doch benötigen die darauf folgenden Ereignisse sehr wohl diesen ruhigen, aber jederzeit äußerst intensiven Aufbau, damit das letzte Filmdrittel auch seine volle Kraft und Wucht entfalten kann. Und so erfährt das Ganze nach ziemlich genau einer Stunde dann nicht nur eine sehr ordentliche Temposteigerung, denn mit einem Schlag verdichtet sich auch die schon zuvor exzellente Atmosphäre zusehends und das unheilvolle Treiben hält den Zuschauer bis zur wirklich letzten Minute stetig bei Atem. Ganz besonders der Umschwung im Erzählstil und das damit verbundene höhere Tempo treffen einen dabei mit nicht geahnter Wucht, die durch die Veränderung im Wesen der Ippolita noch zusätzliche Schärfe erfährt. Auf einmal ist nämlich nichts mehr von der intelligenten, aber aufgrund ihrer Behinderung in sich gekehrten jungen Frau zu sehen. Der nun in ihr vorhandene Dämon übernimmt die Regie und nun kommen insbesondere die Anlehnungen an Friedkin's Werk sehr stark zum Ausdruck. Verbale Entgleisungen und übernatürliche Fähigkeiten prägen die Szenerie, die aber dennoch vollkommen anders erscheint als in "Der Exorzist". Die dabei verwendeten Effekte halten natürlich auf keinen Fall den heutigen Maßstäben stand sind aber dennoch sehr schön anzusehen und verleihen den Abläufen schon eine durchaus starke Faszination, die sich auch auf den Betrachter überträgt.

Für die Kameraarbeit zeichnete hier übrigens der allseits bekannte Joe D'Amato verantwortlich, der ja ansonsten vielmehr durch seine zumeist umstrittenen Filme von sich reden machte. Und der gute Joe erledigt seine Arbeit sehr gut, bekommt man doch teils eindrucksvolle Bilder und mehrere gelungene Kamerafahrten präsentiert, die die vorhandene Klasse dieses Werkes durchaus unterstreichen. Was mir persönlich jedoch am meisten zugesagt hat, ist die von Beginn an vorhandene Grundstimmung, das im letzten Drittel ausbrechende Unheil schon die ganze Zeit über ankündigt. Von der ersten Einstellung an wird man dabei mit einer kirchlichen Thematik konfrontiert und die dabei gezeigten Bilder versetzen einen sofort in die genau richtige Stimmung, um diese wunderbare italienische Produktion auch wirklich genießen zu können. Zwar kommt das Werk nicht ganz an das Meisterwerk "Der Exorzist" heran, das wohl im Bezug auf die vorhandene Thematik auf ewig unerreicht bleiben wird, doch meiner persönlichen Meinung nach siedelt sich "Schwarze Messe der Dämonen" gleich dahinter an und ist weitaus besser gelungen, als manche Kritik es eventuell vermuten lässt.

Vor allem im Vergleich mit heutigen Besessenheits-Filmen schneidet Martino's Film ganz hervorragend ab und bietet Spannung von der ersten bis zur letzten Minute. Dabei sollte man der Geschichte auch keinesfalls diverse Ähnlichkeiten zum Exorzisten zum Vorwurf machen, denn dieser Aspekt ändert überhaupt nichts daran, das hier ein in allen Belangen stimmiger und sehr gelungener Genre-Beitrag vorliegt, der vollends zu überzeugen weiß. Zudem beinhaltet das Szenario genügend Elemente um als eigenständiges Gesamtwerk daher zu kommen und die gut agierende Darsteller-Riege tut ihr Übriges, damit man zu einem erstklassigen Gesamteindruck gelangen sollte. Herausragend ist sicherlich Carla Gravina, denn ihre Darstellung der Besessenen ist schon ein absoluter Höhepunkt in einem Film, den sich kein Horror-Fan entgehen lassen sollte.


Fazit:


Eine tolle-und absolut faszinierende Geschichte, sehenswerte Effekte und in erster Linie eine grandiose Atmosphäre sind die hervorstechenden Merkmale dieses Werkes, das einen hohen Qualitäts-Standard an den Tag legt. Gerade im Vergleich mit etlichen in der heutigen Zeit eher lauwarm gestalteten Vertretern kann "Schwarze Messe der Dämonen" im Bereich der Besessenheits-Thematik massiv punkten und siedelt sich für mich persönlich gleich hinter dem Meisterwerk "Der Exorzist" an.


9/10

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