Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Post subject: Das Wespennest (1970)
PostPosted: 30. Jul 2013, 21:06 
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Das Wespennest
(Hornet's Nest)
mit Rock Hudson, Sylva Koscina, Sergio Fantoni, Giacomo Rossi-Stuart, Jacques Sernas, Mark Colleano, Mauro Gravina, John Fordyce, Giuseppe Cassuto, Amedeo Castracane, Giancarlo Colombaioni, Ronald Colombaioni
Regie: Phil Karlson / Franco Cirino
Drehbuch: S.S. Schweitzer / Stanley Colbert
Kamera: Gábor Pogány
Musik: Ennio Morricone
FSK 16
USA / Italien / 1970

Italien 1944: Eine Elite-Einheit von Fallschirmjägern unter Kommando von Captain Turner bekommt den Auftrag, einen strategisch wichtigen Staudamm zu sprengen. Noch bevor der Trupp den Boden erreichen kann, geraten sie ins Sperrfeuer der Nazis. Turner überlebt den Angriff als einziger. Dem Tode nahe wird er von einer Gruppe Jungen aufgegriffen. Sie sind die einzigen Überlebenden eines Massakers an ihrem Heimatdorf, das die SS verübte, um ein Exempel zu statuieren. Die Jungen schwören Rache. Gemeinsam mit der deutschen Ärztin Bianca und Captain Turner bereiten sie sich vor, die Nazis anzugreifen.


Es ist nicht gerade selten das etliche Leute gerade den italienischen Kriegsfilmen den Vorwurf machen, zu den Schwächeren Vertretern des Genres zu gehören. Sicherlich kann man diese Meinung in vielen Fällen teilen und auch die vorliegende US-italienische Co-Produktion "Das Wespennest" zählt nicht unbedingt zu den absoluten Klassikern. So schlecht wie der Film allerdings meistens gemacht wird ist er dann aber nicht, offenbart sich doch die Geschichte der Regisseure Phil Karlson und Franco Cirino als durchgehend spannend und interessant. Daran ändert auch die Tatsache nichts, das hier wirklich sämtliche Klischees auftreten, die man sich nur vorstellen kann. In der Hauptsache ergeben sich diese in der Charakter-Zeichnung der einzelnen Figuren, was dem Geschehen aber andererseits auch einen ganz eigenen Stempel aufdrückt. Allerdings sollte man die Story rein inhaltlich nicht unbedingt an ihrem Wahrheitsgehalt messen, denn es erscheint schon eher unglaubwürdig, das hier ein einziger Soldat in Zusammenarbeit mit einigen Kindern eine Übermacht von Nazis bekämpft und diese zudem auch noch ziemlich blöd aussehen lässt. Natürlich wird der Deutsche einmal mehr als mordendes Ungetüm dargestellt, womit dann auch das nächste Klischee bedient wird.

Daraus entwickelt sich dann auch die komplette Geschichte, die im Prinzip gar nicht einmal die Zerstörung eines Staudammes zum zentrelen Mittelpunkt macht, sondern vielmehr die Beziehung zwischen dem amerikanischen Captain Turner (Rock Hudson) zu dem jungen Aldo (Mark Colleano), der den Anführer der Jugendlichen Überlebenden eines Dorfes darstellt, dessen Bevölkerung von den Nazis niedergemetzelt wurde. In der zwischenmenschlichen Beziehung der beiden vollkommen unterschiedlichen Charaktere liegt meiner Meinung nach die Stärke dieses Filmes verborgen, entwickelt sich doch ein psychisches Machtspiel, in dem beide ihre Stellung bei den anderen stärken wollen. Während Turner jedoch versucht, mit Logik und Vernunft zu agieren, lässt sich Aldo ausschließlich von seinen Emotionen leiten. Dabei wird einem sehr schnell klar, das in dem Jungen der blanke Hass brodelt, musste er doch mit ansehen, wie seine Familie geschändet und später getötet wurde. Wirkt dies zu Beginn noch wie der Starrsinn eines kleinen Jungen, so wird daraus doch äußerst schnell der pure Fanatismus, der auch in jeder einzelnen Einstellung in den Augen des Jungen zu erkennen ist.

Wirkliches Kriegsgeschehen bekommt man also gar nicht so viel zu sehen, bis auf diverse kleinere Scharmützel und die letztendliche Sprengung des Dammes wird im Bezug auf die Action eher wenig geboten. Die stellt sich aber keineswegs zwingend als Nachteil heraus, denn die intensive Beleuchtung der menschlichen Zwischentöne verleiht dem Ganzen eine extrem tragische Note, die dem Zuschauer gerade zum Ende hin stark unter die Haut geht. Man sollte in vorliegendem Fall wirklich ein wenig differenzieren, denn als waschechter Kriegsfilm bietet "Das Wespennest" sicherlich nicht das, was man sich von einem Werk dieser Machart erwartet, als tragische Begleiterscheinung eines dramatischen Ereignisses funktioniert das Szenario jedoch ganz hervorragend.

Insgesamt gesehen handelt es sich bestimmt um keinen Vertreter des Genres, der extrem nachhaltig im Gedächtnis hängen bleibt, aber mir persönlich hat der Film äußerst gut gefallen. Die gelungene Kombination aus Kriegsfilm, Drama und menschlicher Tragödie lässt sich nämlich sehr gut anschauen und stimmt einen auch phasenweise durchaus nachdenklich. Über die Glaubwürdigkeit der Abläufe kann man dabei denken wie man will, aber der Unterhaltungswert der Story ist allemal lohnenswert. An den etlichen Klischees sollte man sich nicht weiter stören, gibt es doch verhältnismäßig wenige Genre-Vertreter, die sich von eben diesen freisprechen können. Als absoluten Höhepunkt des gesamten Geschehens habe ich persönlich die letzte Szene ausgemacht, denn diese geht dann wirklich unter die Haut und zeigt in einem einzigen Moment die gesamte Tragödie eines kleinen Kindes.


Fazit:


Ich tanze hier mit meiner Meinung wohl eindeutig aus der Reihe, doch mir hat "das Wespennest" ausnehmend gut gefallen. Dabei sind es insbesondere die zwischenmenschlichen Momente die am meisten beeindrucken und einem stellenweise sogar eine leichte Gänsehaut verpassen. Der eigentliche Krieg findet hier nämlich nicht auf dem Schlachtfeld, sondern in der Seele eines innerlich zerrissenen Jungen statt, der neben seinem unbändigen Hass keinen Platz mehr für andere Emotionen zu haben scheint.


7/10

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