Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Post subject: Muttertag (1980)
PostPosted: 11. Jul 2015, 16:46 
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Muttertag
(Mother's Day)
mit Nancy Hendrickson, Deborah Luce, Tiana Pierce, Frederick Coffin, Michael McCleery, Beatrice Pons, Robert Collins, Peter Fox, Marsella Davidson, Kevin Lowe, Scott Lucas, Ed Battle, Robert Carnegie, Stanley Kaufman
Regie: Charles Kaufman
Drehbuch: Charles Kaufman / Warren Leight
Kamera: Joseph Mangine
Musik: Phil Gallo / Clem Vicari Jr.
ungeprüft
USA / 1980

Wie jedes Jahr unternehmen die drei Freundinnen Abbey, Jackie und Trina in Erinnerung an die gemeinsame College-Zeit einen Campingausflug. Dass sie sich dieses Mal die falsche Gegend ausgesucht haben, wird spätestens dann deutlich, als sie den leicht beschränkten Brüdern Ike und Addley in die Hände fallen. Um ihre dominante Mutter zu beeindrucken, üben sich die beiden im Foltern, Vergewaltigen und Töten. Zwar gelingt den drei Frauen die Flucht, doch als die schwer verletzte Jackie stirbt, beschließen Abbey und Trina, Rache zu nehmen.


Schon von jeher hat dieses Werk von Charles Kaufman die Meinungen der Fans in zwei Lager gespaltet. Während "Muttertag" für die einen zu den Genre Klassikern zählt vertreten andere viel eher die Meinung, das es sich lediglich um ein billig produziertes Filmchen ohne jeglichen Nährwert handelt. Beide Sichtweisen beinhalten dabei sicherlich genügend Argumente und so liegt die Wahrheit wie so oft wohl irgendwo in der Mitte. Zugegebenermaßen ist der immer noch vorhandene Reiz dieser eher skurril gestalteten Geschichte schwer zu begründen, doch gerade die Mixtur aus Horror, Folter Elementen und schrägem Humor verleiht dem Szenario seine ganz eigene Faszination, der man auch bei einer wiederholten Sichtung immer wieder erliegt. Mit einem Budget von gerade einmal 150.000 $ ausgestattet handelt es sich absolute Low Budget Produktion und diesen Aspekt merkt man dem Film auch in so ziemlich jeder Passage an. Ob dieser Punkt jedoch auch zwangsläufig negativ zu bewerten ist steht auf einem ganz anderen Blatt und meiner persönlichen Meinung nach entsteht gerade dadurch dieser unglaubliche Charme einer typischen 80er Jahre Perle, die "Muttertag" in meinen Augen ganz eindeutig darstellt. Der erworbene Kultstatus ist sicherlich fragwürdig aber durchaus berechtigt, denn auch wenn die Story in visueller Hinsicht kaum Nennenswertes zu bieten hat, so hinterlässt das Gesamtwerk trotzdem einen äußerst nachhaltigen Eindruck.

Für Freunde der harten Gangart wird hier relativ wenig geboten und rein auf diesen Gesichtspunkt bezogen hat das 2010 erschienene Remake "Mother's Day" ganz eindeutig die Nase vorn. Kaufman's Original wartet da viel eher mit einer beiläufig humorigen Note auf, die sich insbesondere in der Darstellung der Hauptfiguren nieder schlägt. Das äußerst sich einerseits in der Optik der beiden Söhne, sowie im Umgang untereinander. Dabei entstehen oft genug wahrlich skurrile Momente und die manchmal schon grotesk anmutende Situationskomik dürfte für manch einen relativ gewöhnungsbedürftig sein. Beispielhaft dafür sind vor allem die täglichen Übungen der Söhne, die jederzeit von ihrer Mutter dominiert werden. Der Gegenpol zu den eher witzig anmutenden Augenblicken ist sicherlich der Umgang mit den gefangenen Frauen, denn die dabei an den Tag gelegte Eiseskälte und Gleichgültigkeit lässt dem Zuschauer doch das Blut in den Adern gefrieren. Das äußert sich jedoch keinesfalls durch explizite Gewaltdarstellungen, denn bis auf ganz wenige Ausnahmen hält man sich hier extrem vornehm zurück. Es ist vielmehr der Kontrast zwischen hinterwäldlerischer Naivität und der Selbstverständlichkeit andere Menschen sinnlos zu quälen, der einem teilweise schwer im Magen liegt.

Die sadistische Freude der Peiniger am Leid ihrer Gefangenen wird in vorliegendem Fall zwar keinesfalls so kompromisslos dargestellt wie in anderen Genre Vertretern, dennoch kann man Kaufman's Werk ohne Weiteres als Rape and Revenge Vertreter ansehen. Die vom Szenario ausgehende Härte entfaltet sich dabei größtenteils im Kopf des Betrachters und setzt eventuell durch den immer vorhandenen Trash Anstrich des Filmes nicht bei jedem die volle Wirkung frei. Das ändert aber nichts daran, das man der Geschichte einen durchaus nicht zu unterschätzenden Härtegrad zuordnen muss, nur das dieser sich eben nur recht selten auch im Bild zu erkennen gibt. Wie dem auch sein, Kaufman hat hier eine absolut gelungene Kombination aus mehreren Komponenten gefunden, die in ihrer Zusammensetzung auf jeden Fall einen Film präsentieren, der die unterschiedlichsten Meinungen auf sich vereinen kann. Allein aufgrund dieses Gesichtspunktes lässt sich dann auch erkennen, um welch interessanten Beitrag es sich letztendlich handelt, denn wenn über Jahrzehnte hinweg immer wieder trefflich über dieses Werk diskutiert wird, dann muss es doch im Endeffekt ein gewisses Potential beinhalten.

Im Endeffekt liegt es wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters und es ist auch vollkommen in Ordnung das "Muttertag" die Meinungen spaltet. Für mich selbst handelt es sich auf jeden Fall um eine immer wieder sehenswerte Produktion, die ihren Kultstatus auch vollkommen zu recht erworben hat. Etwaige Schwächen und Unzulänglichkeiten des Szenarios stellen sich in der Gesamtbetrachtung als Stärke heraus und formen einen ganz eigenen Charme, der diesen Film von jeher umgeben hat.


Fazit:


Billiger Schund oder ein echter Genre Klassiker, das ist hier die Frage. Die Antwort muss sich jeder selbst geben, denn "Mutter" und ihre Sprösslinge werden auch weiterhin die Gemüter spalten. Ich fühle mich jedenfalls immer wieder aufs Neue sehr gut unterhalten und kann den Film so auch nur jedem Fan des Genres wärmstens empfehlen.


8/10


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 Post subject: Re: Muttertag (1980)
PostPosted: 16. Aug 2015, 14:58 
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Preservation
(Preservation)
mit Wrenn Schmidt, Pablo Schreiber, Aaron Staton, Cody Saintgnue, Michael Chacon, Nick Saso, Nix
Regie: Christopher Denham
Drehbuch: Christopher Denham
Kamera: Nicola Marsh
Musik: Samuel Jones / Alexis Marsh
keine Jugendfreigabe
USA / 2014

Der unnahbare Sean unternimmt mit seinem Bruder Mike und dessen Frau Wren ein Jagdwochenende in der amerikanischen Wildnis. Der gemeinsame Trip soll die beiden unterschiedlichen Brüder wieder vereinen. Doch schon bald werden Spannungen in der Gruppe deutlich und die Situation droht zu eskalieren. Als am nächsten Tag ihr sämtliches Hab und Gut verschwunden ist und alle drei mit einem Kreuz auf der Stirn gekennzeichnet aufwachen, beschuldigt Mike zunächst Sean dahinter zu stecken. Doch schnell wird klar, dass sie nicht allein sind, sondern das Ziel einer tödlichen Menschenjagd. Ein gnadenloser Kampf ums Überleben beginnt.


Christopher Denham dürfte den meisten Leuten wohl viel eher als Darsteller bekannt sein, denn der gute Mann hat schon in diversen Serien (Deception, Person of Interest) wie auch in einigen Filmen (Argo, The Bay) mitgewirkt. Mit "Preservation" legt er nun seine mittlerweile zweite Regiearbeit vor und präsentiert dabei eine gelungene Mixtur aus Survival Thriller und Horrorfilm. Gleichzeitig lässt die Geschichte auch trotz ihrer Location in einem Waldgebiet die typischen Elemente des Home Invasion Thrillers erkennen, so das man rein prinzipiell von einem interessanten und sehenswerten Filmerlebnis ausgehen kann. Dabei lassen sich unübersehbare Anlehnungen an diverse Genre Vertreter erkennen, wobei dem Zuschauer insbesondere zwei Filme ganz stark in Erinnerung kommen. Da wären zuerst einmal der britische Vertreter "Eden Lake" und auf der anderen Seite die französische Produktion "Them", wobei beide Filme ganz starke Spuren im vorliegenden Szenario hinterlassen. Wer beide Filme kennt kann sich denken, das Denham hier ein intensives Filmchen auf die Beine gestellt hat, gleichzeitig eröffnet sich dadurch aber auch gleichzeitig ein deutliches Manko der Geschichte. Innovative Ansätze sollte man nämlich gar nicht erst erwarten, denn stellenweise kommen einem die Abläufe sogar seltsam bekannt vor.

Für Neueinsteiger ist das eher unerheblich, wer sich jedoch ein wenig in den Genres auskennt, muss sich mit altbewährten Zutaten zufrieden geben. Diese wurden allerdings recht gekonnt umgesetzt, nur stehen definitiv keinerlei Neuerungen auf dem Stundenplan. Wenn einem das nichts ausmacht wird man äußerst gut bedient, wobei der Film jedoch gut 35 Minuten Zeit benötigt, bis er so richtig in die Gänge kommt. Die Zeit davor dient eher als etwas zu lang geratene Einführung in das Geschehen und bringt einem die drei Hauptfiguren und deren Verhältnis untereinander ein wenig näher. Tiefere Charakterzeichnungen sollte man dabei aber nicht unbedingt erwarten, denn trotz sichtlicher Mühen gelingt es Denham nicht gänzlich, einen echten Bezug zwischen den Protagonisten und dem Betrachter herzustellen. Stattdessen werden die Abläufe mit typischen Klischees angefüllt, die sich in erster Linie auf das in wichtigen Situationen nicht logisch nachvollziehbarem Verhalten der beiden Brüder Mike und Sean anwenden lassen. Ebenso vorhersehbar erscheint die Tatsache, das andererseits die gute Wren im Laufe der Zeit zu einer regelrechten Kampfamazone mutiert, die sich ihren Peinigern unerschrocken gegenüberstellt. Ähnliche Abläufe ist man ja aus etlichen anderen Genre Vertretern gewohnt und so nimmt man diese nicht immer authentisch wirkenden Handlungsweisen als gegebenes Stilmittel, um die Spannung ein wenig künstlich in die Höhe zu pushen.

Das mag nicht jedem zusagen, erscheinen doch die Ereignisse durch diesen Aspekt nicht immer glaubwürdig, andererseits schadet es dem gewonnenen Gesamtbild nicht sonderlich. Dafür mangelt es dem Film ein wenig an visueller Härte, denn gerade die bisherigen Veröffentlichungen von Pierrot Le Fou haben sich doch ganz besonders dadurch ausgezeichnet, das die Fans der etwas härteren Schiene immer auf ihre Kosten gekommen sind. Zwar beinhaltet auch "Preservation" einige blutige Momente, doch insgesamt gesehen kocht man in vorliegendem Fall doch eher auf Sparflamme. Dafür setzt das Geschehen aber im Kopf des Zuschauers eine Menge an Brutalität frei, die sich letztendlich jedoch vielmehr aus der Situation an sich ergibt, als das sie in expliziten Gewaltdarstellungen zur Geltung kommen würde. Und so sollte man sich auf einen Beitrag mit Stärken als auch diversen Schwächen einstellen, wobei sich das Gesamtbild aber meiner persönlichen Meinung nach oberhalb des üblichen Durchschnitts ansiedelt.

Letztendlich liegt es wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters, doch mir hat diese Produktion trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit äußerst gut gefallen. Das Szenario wird von einer stimmigen und größtenteils bedrohlichen Grundstimmung getragen und die Identität der Täter sorgt zudem für einen derben Beigeschmack. Neu ist dieser allerdings auch nicht, denn in dieser Beziehung kommt man wieder zu den beiden von mir genannten Referenzwerken, so das im Endeffekt kein wirklicher Überraschungseffekt vorliegen dürfte. Wem also mangelnde Neuerungen und fehlende Innovation nichts ausmachen, der kann definitiv den Griff zu diesem Film wagen, denn bereuen dürfte man eine Sichtung keinesfalls.


Fazit:


"Preservation" bietet jede Menge altbewährte Zutaten, die Christopher Denham recht gekonnt zu einem größtenteils intensiven Genre Mix kombiniert hat. Sonderliche Höhepunkte oder gar geniale Wendungen sollte man jedoch nicht erwarten, denn ansonsten könnte man am Ende dann doch etwas enttäuscht sein.


7/10

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