Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Post subject: The Gift - Die dunkle Gabe (2000)
PostPosted: 17. Jan 2013, 01:27 
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The Gift - Die dunkle Gabe
(The Gift)
mit Cate Blanchett, Giovanni Ribisi, Keanu Reeves, Katie Holmes, Greg Kinnear, Hilary Swank, Michael Jeter, Kim Dickens, Gary Cole, Rosemary Harris, J.K. Simmons, Chelcie Ross, John Beasley, Lynnsee Provence, Hunter McGilvray
Regie: Sam Raimi
Drehbuch: Billy Bob Thornton / Tom Epperson
Kamera: Jamie Anderson
Musik: Christopher Young
FSK 16
USA / 2000

Spurlos verschwindet die schöne Jessica King, Verlobte des Schuldirektors Collins. Nachdem es keine Hinweise gibt und die Polizei völlig ratlos ist, wird Annie Wilson um Rat gebeten; denn sie besitzt eine ungewöhnliche Gabe. Von ihrer Großmutter erbt sie die Fähigkeit, Karten zu lesen. Annies Eingebung führt die Polizei zu der ertrunkenen Jessica. Man verhaftet Donnie Barksdale, Annies Erzfeind. Aber Annie ahnt, dass der Spuk noch lange nicht vorbei ist, der wahre Mörder noch nicht gefasst ist. Sie wird verfolgt werden von den Lebenden, wie auch von den Toten...


Kult-Regisseur Sam Raimi (Tanz der Teufel) hat mit "The Gift" sicherlich nicht seinen besten Film abgeliefert, doch die teilweise sehr schlechten Kritiken im Netz sind ehrlich gesagt nicht so ganz nachzuvollziehen. Trotz einer ziemlich offensichtlichen Klischeebehaftung bekommt man nämlich eine durchaus interessante und gut umgesetzte Geschichte präsentiert, in der sich der Spannungsbogen zwar eher langsam aufbaut und zu keiner Zeit ungeahnte Höhen erreicht, aber dennoch für ein durchgehend sehenswertes Filmerlebnis sorgt, an dem man als Fan von Mystery-Thrillern seine Freude haben kann. Da macht es dann auch nicht besonders viel aus, das der Story-Plot sich insbesondere im letzten Drittel doch viel eher vorhersehbar darstellt, als das man gerade in dieser entscheidenden Phase der Geschichte mit wirklichen Überraschungsmomenten konfrontiert wird. Für viele Leute mag das wohl eher eine kleine Enttäuschung darstellen, denn gerade in der ersten Stunde wird doch eine ganze Menge Spannung aufgebaut, die auch durch die ständigen Visionen der Hauptfigur Annie (Cate Blanchett) für einige Gänsehautmomente sorgen kann, doch die darauf folgende Suche nach dem Mörder der hübschen Jessica gestaltet sich dann doch als etwas zu leicht durchschaubar, da der Täterkreis sich ganz einfach auf zu wenige Personen beschränkt und die Identität sowie auch die Motive des Killers leicht erahnt werden können.

Zudem fehlt es den einzelnen Charakterzeichnungen auch etwas an der nötigen Tiefe, die meisten Figuren werden doch eher recht oberflächlich dargestellt, so das der Zuschauer eigentlich lediglich zu Annie eine tiefere Bindung herstellen kann, deren Charakter noch am intensivsten herausgearbeitet wird. So ist es auch lediglich diese eine Person, die so wirklich etliche Symphatiepunkte beim Betrachter sammeln kann, was auch sicherlich in ihrem Aussenseiter-Status zu begründen ist, den sie in der kleinen Südstaaten-Gemeinde einnimmt. Wird die zerbrechlich-und verletzbar wirkende junge Frau doch von den meisten Leuten gemieden und aufgrund ihrer Gabe nicht gerade selten als Hexe bezeichnet, wo wir ganz automatisch wieder bei einem der etlichen Klischees sind, die einem in diesem Werk geboten werden. Doch sollte man diese allgemeine Klischeehaftigkeit gar nicht einmal als unbedingt negativ ansehen, vielmehr passt sie doch ziemlich ideal in das gezeichnete Bild einer Hinterwäldler-Gemeinde, die irgendwo am Arsch der Welt angesiedelt ist und das tägliche Leben aus ganz anderen Augen zu sehen scheint. Herrscht doch beispielsweise auch eine äusserst fragwürdig erscheinende Auffassung der Gesetze vor, denn wie ist es ansonsten zu erklären, das ein Mann seine Frau jederzeit krankenhausreif prügeln kann, ohne dafür belangt zu werden? Und das, obwohl selbst die Gesetzeshüter darüber bescheid wissen, aber keinesfalls etwas dagegen tun.

Man sieht also ziemlich offensichtlich, das hier wirklich sämtliche Klischees bedient werden und nicht jedem mag das gefallen, jedoch passt das alles recht gut in das Gesamtbild hinein, das man von diesem Mystery-Thriller gewinnt. Und dennoch hat dieser Film mir persönlich trotz einiger offensichtlicher Defizite besonders gut gefallen, was auch ganz bestimmt darin begründet liegt das Sam Raimi es fabelheft verstanden hat, seiner Geschichte eine herrlich siffige Atmosphäre zu verpassen, die eine ungeheuer starke Faszination auf den Zuschauer ausübt. Auch wenn sich der auftretende Horror nur äusserst langsam und bedächtig entfaltet, herrscht doch fast über die gesamte Laufzeit etwas sehr Unheilvolles über dem Geschehen, das ohne größere Höhepunkte dennoch für ein spürbares Grusel-Feeling sorgt, dem man sich irgendwie nicht entziehen kann. "The Gift - Die dunkle Gabe" ist definitiv kein Film der das Genre revolutioniert, denn dafür mangelt es ganz einfach an Innovation und echten Überraschungsmomenten, aber es handelt sich um absolut sehenswerte Mystery-Kost die man sich jederzeit gut anschauen kann, ohne dabei seine Zeit zu verschwenden.

Allein die hier versammelte Darsteller-Riege ist dabei absolut sehenswert, gibt es doch ein Wiedersehen mit so bekannten Gesichtern wie Katie Holmes, Keanu Reeves oder auch der zweimaligen Oscar-Preisträgerin Hilary Swank. Von den drei genannten weiss vor allem Keanu Reeves in der Rolle des äusserst fiesen Südstaaten-Machos absolut zu überzeugen, doch auch die restlichen Darsteller liefern allesamt ordentliche Leistungen ab, ohne das sich jedoch jemand besonders in den Vordergrund spielen würde. So kann man letztendlich von einem durchaus gelungenem Film sprechen, der trotz einiger Mankos größtenteils kurzweilige-und auch spannende Unterhaltung bietet und lediglich durch die Vorhersehbarkeit der Ereignisse im letzten Filmdrittel den Filmgenuss ein wenig trübt. Dafür wird man allerdings mit einer exzellenten und mysteriösen Grundstimmung entschädigt, die auch die ganze laufzeit über vorhanden ist und die man sicherlich als große Stärke dieses Werkes ansehen kann.


Fazit:


Trotz einiger offensichtlicher Defizite hat "The Gift" mir persönlich sehr gut gefallen. Sicher handelt es sich nicht um Raimis besten Film, jedoch dürften Freunde des Mystery-Thrillers durchaus auf ihre Kosten kommen und gut unterhalten werden. Ich fühlte mich jedenfalls bestens unterhalten und kann für diesen Film auf jeden Fall eine Empfehlung aussprechen.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Englisch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 107 Minuten
Extras: Trailer, TV-Spots, Making Of, Interviews, Produktionsnotizen


7,5/10

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