Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Post subject: Hart, härter, Frankreich - Die neue Dimension des Grauens
PostPosted: 26. Feb 2013, 21:24 
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Hart, härter, Frankreich - Die neue Dimension des Terrorfilms

Schon längst sind die Zeiten vorbei, wo die sehenswerten Horro-und Terrorfilme lediglich aus den USA kamen. Auch bei uns in Europa gibt es mittlerweile so einige Länder, die auf dem Sektor des neuen Horrorfilms auf sich aufmerksam gemacht haben. Dass Großbritannien dazu gehört, ist spätestens seit Filmen wie "The Descent", "28 Days Later" oder Wilderness" kein Geheimnis mehr, auch Spanien und die Skandinavier sind längst auf den Horror-Zug aufgesprungen und präsentieren uns sehenswerte Genre-Beiträge.

Aber eines unserer Nachbarländer hat in den letzten Jahren durch einige besonders schockierende und extrem harte Filme auf sich aufmerksam gemacht, das man davor im Bereich des Horrorfilms nicht zwangsläufig auf der Liste hatte.

Mittlerweile dürfte es selbst der letzte Genre-Fan mitbekommen haben, das in den letzten Jahren unser Nachbarland Frankreich durch teilweise extrem harte Horror-und Terrorfilme auf sich aufmerksam gemacht hat. Die meisten Fans begrüßen das, denn diese Filme haben ganz sicher neues Leben in das Genre gebracht, das doch phasenweise an Ideenlosigkeit zu leiden scheint. So war es sicherlich eine sehr willkommenen Abwechslung, als im Jahre 2003 der Film "High Tension" erschien, der unter der Regie eines gewissen Alexandre Aja entstanden war. Ein Name, der bis dahin doch eher unbekannt war, sich aber mittlerweile selbst in Hollywood einen Namen gemacht hat. Doch ist "High Tension" auch ein Film, der die Meinungen der Fans teilweise sehr spaltet, was eigentlich weniger am vorhandenen Härtegrad liegt, der übrigens ziemlich hoch angesiedelt ist, sondern vielmehr durch die erzählte Geschichte. Denn für den einen Teil erscheint sie innovativ und überraschend, wohingegen die andere Seite doch eher die Meinung vertritt, das der Film nur so vor Logiklöchern strotzt. Nun liegt das ganz sicher auch in der Sichtweise des Betrachters, denn die Lösung des Problems liegt meiner Meinung nach irgendwo in der Mitte, denn Schizophrenie, um die es ja in dem Film liegt, ist ganz einfach nicht logisch zu erklären. Doch auch die gezeigte Härte, die der Film beinhaltet, ist vielen Leuten schon ein Dorn im Auge, denn es geht hier schon richtig derbe zur Sache. Doch zu diesem Zeitpunkt hat wohl auch noch keiner geahnt, das hier nur die Spitze eines Eisbergs angekratzt wurde und die Franzosen Stück für Stück die Gewaltspirale immer höher drehen würden.

So kam es, das 2007 gleich zwei französische Produktionen auf sich aufmerksam machen sollten, dabei handelte es sich um die beiden Schocker "Inside" und "Frontier(s)", die zwar von der Thematik her vollkommen unterschiedlich sind, aber es beide vortrefflich verstehen, den Zuschauer bewust zu schockieren. Vor allem "Inside", der unter der Regie von Alexandre Bustillo und Julien Maury entstand, dürfte durch seine extrem harten Gewaltdarstellungen selbst eingefleischten Genre-Fans den Schweiss auf die Stirn treiben. Ich möchte an dieser Stelle nichts über den Inhalt verraten, aber jeder, der den Film gesehen hat, der weiss wovon ich spreche. Sicherlich ist die Frage einiger Leute durchaus berechtigt und auch nachvollziehbar, ob einige Szenen unbedingt notwendig waren. Und diese Frage sollte man hier ehrlich gesagt mit einem klaren Ja beantworten, denn nicht umsonst ist der Titel des Films "Inside". Ausserdem sind die Szenen, die einige Gemüter so erregt haben, auf der deutschen DVD nicht enthalten, sondern lediglich auf der ungeschnittenen Version, die man nur über das Ausland beziehen kann.

"Frontier(s)", bei dem Xavier Gens das Regie-Zepter in der Hand hielt, ist ein Film, der in meinen Augen absolut überbewertet ist. Sicherlich ist der Film auch sehr hart geraten, stellt aber meiner Meinung nach nicht den "Überflieger" dar, den man ziemlich großspurig angekündigt hatte. Nicht, das ich hier falsch verstanden werde, ich bin nicht der Meinung, das der vorhandene Härtegrad nicht ausreichend wäre, aber das Gesamtpaket fand ich nicht gänzlich überzeugend. Das mag teilweise an der vorhandenen Thematik liegen, denn das hier ein paar Jugendliche in die Fänge einer Nazi-Familie geraten, wirkt doch etwas abgedroschen und wird auch nicht ausreichend beleuchtet, sondern lediglich oberflächlich angekratzt. Nichtsdestotrotz ist es ein sehenswerter Film und Freunde der härteren Welle werden hier durchaus auf ihre Kosten kommen, das steht wohl ausser Frage.

Doch das alles ist in meinen Augen nichts im Gegensatz zum 2008 erschienenen Film "Martyrs", für den Pascal Laugier als Regisseur verantwortlich ist. Denn dieses Werk wirkt so extrem verstörend auf den Zuschauer, das man die gesamte Laufzeit über ein extremes Gefühl der Beklemmung verspürt, dessen man sich, selbst wenn man es wollte, zu keiner Zeit entledigen kann. Der dramaturgische Aufbau des Films vermittelt dem Betrachter in den ersten 30 Minuten das Gefühl, das man es hier mit einem stinknormalen, aber doch sehr harten Rachefilm zu tun hat, bis sich die Geschichte dann in eine vollkommen andere Richtung entwickelt, die man so keinesfalls vorhersehen konnte. Man wird mit einer sadistischen Härte konfrontiert, die eine so intensiven Eindruck hinterlässt, das man teilweise kaum Luft bekommt, da sich der Hals wie zugeschnürt anfühlt. Die hier gezeigten SFX sind bestimmt nicht die härtesten, die man je zu Gesicht bekommen hat, doch der Film als Ganzes könnte nicht härter und verstörender sein. Man wird hier geschockt, teils entwickelt sich sogar ein aufkommendes Gefühl der Übelkeit, man möchte am liebsten seinen Blick vom Geschehen abwende, fühlt sich dazu aber nicht in der Lage, da das Gesehene auch gleichzeitig eine ungeheure Faszination auf einen ausübt. Ich glaube, das es keineswegs übertrieben ist, wenn man "Martyrs" als bisher härtesten Beitrag der Franzosen im neuen Jahrtausend bezeichnet, jedenfalls, wenn man das vorliegende Gesamtpaket betrachtet.

Mittlerweile sind auch noch diverse andere Filme wie "Die Horde", "Mutants" oder auch "Livid" dazugekommen, die sich zwar aufgrund des jeweiligen Härtegrades durchaus voneinander unterscheiden, aber meiner Meinung nach die Vormachtstellung der Franzosen in Europa auf jeden Fall hervorheben. Dabei sehe ich es auch keinesfalls als Nachteil an, das die zu Beginn zu Hauf vorhandenen Gewaltdarstellungen aus "High Tension" oder auch "Inside" ein wenig zurückgegangen sind, wobei "Die Horde" in diesem Punkt noch einmal richtig in die Vollen geht. Dort ist zwar ein sehr hoch angesiedelter Unterhaltungswert vorhanden und jeder Gorehound kommt auf seine Kosten, doch filmisch gesehen ist das Werk von Yannick Dahan und Benjamin Rocher eher zu den schwächeren Beiträgen aus unserem Nachbarland zu zählen. Das Geschehen artet doch zu sehr in eine eher sinnbefreite Metzel-Orgie aus und hat inhaltlich nicht sonderlich viel zu bieten. "Mutants" wie auch "Livid" zielen da eher in eine etwas andere Richtung und legen auch eine streckenweise etwas ruhigere Erzählweise an den Tag, was jedoch auf keinen Fall bedeutet, das die Werke keine Härten beinhalten. Stellenweise geht es dort nämlich auch ordentlich zur Sache, doch die Filme sind in meinen Augen rein inhaltlich weitaus besser geraten.

Es wird sicherlich interessant sein, was uns in den nächsten Jahren im Bezug auf Horror-und Terrorfilme noch serviert wird, welche Tabus eventuell noch gebrochen werden und wie sich die Gewaltspirale weiterentwickelt. Denn sind schon die vier hier erwähnten Filme schon als besonders hart und schockierend einzustufen, so glaube ich nicht, das hiermit das Ende erreicht ist. Wie man zu diesen Filmen steht und was man über den gezeigten Härtegrad denkt, das ist natürlich Empfindungssache, doch eines dürfte klar sein, nämlich die Tasache, das unsere Nachbarn mit diesen Genre-Beiträgen bewusst schocken wollten und das ihnen diese Vorhaben vortrefflich gelungen ist.

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 Post subject: Re: Hart, härter, Frankreich - Die neue Dimension des Grauens
PostPosted: 27. Feb 2013, 06:38 
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Also ich muss sagen, ich freue mich sehr auf weitere Schocker aus Frankreich. Martyrs selber fand ich gar nicht so hart, ich hatte mir nach den ersten paar minuten mehr erhofft, und den Schluß fand ich dann doch nicht ganz nach meinen Geschmack.
Inside dagegen hat mir sehr gut gefallen, wenn die Polizisten sich nicht nicht so unlogisch verhalten hätten, hätte er mir noch besser gefallen.

Die Horde habe ich noch nicht gesehen, kommt aber noch.


Lieben Gruß

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