Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Post subject: Vampire - Eine totgesagte Spezies?
PostPosted: 21. Jul 2013, 15:37 
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Neben der filmischen Verarbeitung der "Rasse" Vampire, wurden diese natürlich in der Literatur erstmals "erfunden". Aber schon in der Antike gab es vor allem im osteuropäischen Raum eine Art Vampirglaube, der sich bis ins 18. Jahrhundert schleppte. Die Begründer des neuen Vampirglaubens, sind Autoren wie Bram Stoker, John Polidori oder Joseph Sheridan Le Fanu. Entgegen landläufiger Meinung ist es nicht Bram Stoker, der die erste Vampirgeschichte hervorbrachte, sondern John Polidori, der 1816 eine erste Kurzgeschichte über Vampire erzählt hat. Lord Ruthven gilt dabei als erster mächtiger Vampircharakter, der jemals aufgetaucht ist.

Joseph Sheridan Le Fanu entwickelte 1872 die Geschichte der Carmilla, eine lesbische Vampirin, die später in der von Hammer verfilmten Karnstein-Trilogie (Gruft der Vampire, Nur Vampire küssen blutig, Draculas Hexenjagd) filmisch umgesetzt worden war. Eine textliche Fassung ist hier nachzulesen.

Den meisten ein Begriff ist Bram Stoker, der erst 1897 die Geschichte des Dracula erzählte, welche in unzähligen Übersetzungen und Verfilmungen Verwengund fand. Vielleicht gehen aus diesem Grund viele Vampir-Fans davon aus, dass es sich hierbei um den ersten Vampirroman der "Neuzeit" handelte. Es war nunmal erst die dritte Erzählung und das gut 80 Jahre nach der ersten Erzählung. Wahrscheinlich hat dieser Roman, der jeweils in Tagebucheinträgen verfasst worden war, in dem jeweils aus Jonothan Archers, Minas, Van Helsings oder John Sewards Sicht geschrieben worden ist, aber am meisten zum Erfolg späterer Vampirliteratur und auch Verfilmungen beigetragen. Auch der vermeintliche geschichtsträchtige Hintergrund von Vlad III. Drăculea, einem Fürsten, der im 15. Jahrhundert unterwegs gewesen war, trug zur Verbreitung von Dracula bei. Dabei hat Vlad mit Vorliebe seine Feinde gepfählt (siehe auch den Film "Vlad, der Pfähler). 1914 folgte "Draculas Gast", einer Art Vorgeschichte zum eigentlichen Werk.

Später im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurde das Motiv von Vampiren wiederbelebt. Besonders filmisch wurde in Form der Unterspezies "Nosferatu" in den 30er Jahren der Mythos aufrecht erhalten. In den 60ern wurde "Ich bin Legende" (als Film besser bekannt als "I am Legend") von Richard Matheson veröffentlicht. Dort geht es um Robert Neville, der als einziger Mensch neben einer Unzahl von Vampiren überlebt zu haben scheint. Allerdings ist es hier vom klassischen Vampirschema nicht mehr sonderlich viel übrig geblieben, denn das hier zählt zu den Science-Fiction-Werken. 1975 griff Stephen King das Thema mit "Jerusalem's Lot" (dt.: Brennen muss Salem) auf, wofür King den World Fantasy Award erhalten hat. 1978 startete mit "Interview mit einem Vampir" eher die edemütige Seite dieser Spezies gedanklich Erschaffen von Anne Rice, die mit "Chronik der Vampire" und "Der Fürst der Finsternis" diese Trilogie vollendete. '79 erhielt der Vampir auch als Rüdiger Einzug als "Der kleine Vampir" in Kinderbücher, was kommerziell auch als Fernsehserie durchaus Anklang gefunden hatte. Auch Wolfgang Hohlbein sprang auf den Erfolgszug mit seiner bisher nicht vollendeten Chronik der Unsterblichen auf.

Die düstere Seite des modernen Vampirs war lange Zeit nicht gerade erfolgreich. Erst mit dem Rollenspiel "Vampire - Die Masquerade" wandelte sich das Blatt wieder hin zu einer leicht abgewandelten Urform - mit Dracula hatte dies alles nichts mehr zu tun, sondern es wurde biblisch auf den Bruch zwischen Kain und Abel bzw. Seth hingewiesen. Sethkinder - die Menschen sowie Kainskinder - die Vampire. Die Vampire sind hierbei in unterschiedlichen Clanlinien untergebracht, wobei es auch einige Altbekannte wie die Nosferatu gibt. In dieser Reihe gab es zahlreiche Autoren, die sich einen Namen gemacht haben. Darunter Robert Weinberg, der mit "Die Maskerade des roten Todes" einer der besten Vampirtrilogien überhaupt auf den Markt gebracht hat. Dire McCann und Alicia Varney sind die beiden Protagonisten, die versuchen, den Roten Tod aufzuhalten, bevor dieser die Herrschaft über Seths- und Kainskinder erhalten kann. Die Fortsetzung davon "War in Horizon" wurde leider nie ins deutsche übersetzt und ist nur schwierig zu bekommen. Gherbod Fleming ist ein anderer Autor in diesen Kreisen. Mit "Trilogy of the Blood Curse" (dt. "Der Blutfluch") ist ihm ein Achtungserfolg gelungen, in der der Durst nach Blut unstillbar scheint. Und wer einmal anfängt, kann nicht mehr damit aufhören. Der Gralskonvent, der ebenfalls in diese Reihe schlägt, wurde ebenfalls in einer Trilogie veröffentlicht. Daneben finden sich die sogenannten Clansromane, die ursprünglich als Teil der Rollenspielserie gedacht waren, sich aber gut in die Form der anderen Werke einbringen lassen. Gerade auch, weil die einzelnen Clans hier eine größere Rolle und Beleuchtung bekommen, was sich insgesamt gut in die Reihe einfügen lässt. Allerdings gibt es hier qualitativ deutliche Unterschiede was die Art und Weise der Erzählungen anbelangt.

Daran angelehnt ist vielleicht noch die von Marvel erschaffene Form "Blade", die eher auf Actionreiche Vampire setzt. In der heutigen Zeit ist das Genre aus meiner Sicht wieder auf dem Weg nach unten. Es ist zwar schön, dass man in Form von "Twighlight" etwas neues versucht, allerdings hat es mit dem klassischen Vampir nichts mehr zu tun. Hier wurde einzig und allein Zielgruppengerichtet eine Verfilmung inszeniert. Und auch Autoren wie Charlaine Harris hat mit "Vorrübergehend tot..." den Start zur späteren Verfilmung "True Blood" geliefert. Und auch hier ist, zumindest wenn man von den Kritiken und Erzählungen her ausgeht, nicht viel von dem Düsterimage der Vampire übrig. Und das Ganze ist auch noch in einer kompletten Reihe erschienen (Sookie Stackhouse). 2009 war das bisher letzte Mal, dass ein enigermaßen gutes Buch über Vampire erschienen ist, mit dem schlichten Titel: "Die Vampire" von Kim Newman.

Viele Romane sind hier allerdings auch nicht aufgezählt worden. Man denke nur an Terry Pratchetts Version eines Vampirs, der lieber Tomatensaft als richtiges Blut trinkt, oder die von Brian Lumley ins Leben gerufene Serie "Necroscope", die auch in der heutigen Zeit herausragend ist. Lynsay Sands hingegen gehört wieder zu der Autorenschaft, die die romantische Seite der Vampire verkörpern möchte, und das finde ich unpassend.

Nicht auszudenken, wenn irgendwann auch noch Zombies zu gutmütigen "Haustieren" und Mumien zu umfunktionierten Dienern werden. Was bleibt dann noch in der Horrorwelt übrig? Macht man heute eine Umfrage mit "Was ist für dich das Ebenbild eines Vampirs?" würden viele bestimmt antworten: Robert Pattinson (= Twighlight). Und das verzerrt das Bild. Denn der Ur-Vampir ist schon lage verstorben und zu Staub zerfallen. Und das ist traurig, denn nur, wenn jemand mal wieder eine gute Vampirstory veröffentlichen kann, ist Mythos in der Lage weiter zu existieren.

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Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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