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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Post subject: City of Men (TV-Serie)
PostPosted: 14. Feb 2013, 01:21 
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City of Men
(Cidade dos Homens)
mit Darlan Cunha, Douglas Silva, Phellipe Haagensen, Camila Monteiro, Jonathan Haagensen, Roberta Rodrigues, Luciano Vidigal, Alex Damazio, Thiago Martins, Cintia Rosa, Graziela Moretto
Regie: Regina Case / Fernando Meirelles u.a
Drehbuch: Paulo Morelli / Fernando Meirelles u.a
Kamera: Mauro Pinheiro Jr. / Adriano Goldman
Musik: Ed Cortes / Beto Villares u.a
FSK 16
Brasilien 2002

City of Men, an Originalschauplätzen in einem berüchtigten Slum von Rio gedreht, zeigt die Abenteuer der zwei Teenager Laranjinha und Acerola in ihrem Kampf ums Großwerden und Überleben in einem Umfeld der Armut, wo gleichzeitig die hohen Umsätze des Drogenhandels, schnellen Reichtum versprechen, City of Men vereint den scharfsinnigen Humor der Street Kids Rios mit einem schockierend realistischen Blick auf deren Umfeld und Gefahren.


Mit "City of Men" erschuf Regisseur Fernando Meirelles eine TV-Serie, die in Brasilien einen absoluten TV-Rekord erzielte. Gut 35 Millionen Zuschauer verfolgten die Abenteuer der beiden Teenager Laranjinha und Acerola, die in einem der berüchtigten Slums von Rio de Janeiro leben und sich dort mit den üblichen Alltags-Problemen rumschlagen müssen. Nun sollte der Zuschauer an dieser Stelle aber wirklich nicht mit europäischen Maßstäben messen, denn die hier dargestellte Armut in den sogenannten "Favelas" offenbart doch vollkommen andere Züge, als man sie aus unseren Breitengraden her kennt. Hoch über der Millionen-Metropole und Glitzerstadt Rio erhebt sich ein Gebiet in dem Verhältnisse herrschen, die man sich eigentlich nur schwerlich vorstellen kann. Baufällige Häuser die man im Prinzip als bessere Baracken bezeichnen kann und ganz eigene Gesetze sind die Markenzeichen für ein Leben, das man noch nicht einmal seinem schlimmsten feind wünschen möchte. In den verwinkelten kleinen Gassen hat die Kriminalität absolute Hochkonjunktur und die sogenannte "Bewegung" herrscht mit eiserner Hand über die Bevölkerung des Armenviertels.

Nach seinem großen Erfolg mit dem Spielfilm "City of God" ist es Mereilles auch hier ganz vortrefflich gelungen, dem Zuschauer einen authentischen Eindruck über die Lebensverhältnisse und Zustände in den Slums Brasiliens zu vermitteln, gleichzeitig erhält man jedoch auch einen tiefen Einblick in die trotz aller vorhandenen Misstände ziemlich glückliche Kindheit der Haupt-Charaktere, denn obwohl sie in extrem ärmlichen Verhältnissen aufwachsen müssen machen sie aus ihrer Situation das Beste und erleben dabei die unterschiedlichsten Abenteuer. Dabei offenbaren sich äußerst bedrohliche Momente, aber auch Passagen voller purer Lebensfreude und kindlicher Naivität. Diese Mischung zeichnet die Serie ganz besonders aus und zieht den Betrachter in einen sogartigen Strudel, von dem eine absolut einzigartige Faszination ausgeht, der man sich nur schwer entziehen kann. Dabei ist es vollkommen egal, ob man die Protagonisten auf ihrer Job-Suche, beim Betteln, oder insbesondere bei ihren ersten amourösen Abenteuern begleitet, sämtliche Episoden der Serie hinterlassen einen sehr glaubwürdigen Eindruck und sorgen für kurzweilige Unterhaltung.

Denn trotz aller Betroffenheit, die durch den schonungslosen Blick in die Welt der Armen entsteht, präsentieren sich immer wieder etliche Momente, die einem auch ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern. Dies liegt hauptsächlich an den grandios agierenden Jung-Darstellern, bei denen es sich größtenteils um Laien-Schauspieler handelt, die auch wirklich in den Favelas leben. Darin liegt wohl auch die Hauptursache für das Höchstmaß an Authenzität, das "City of Men" beim Betrachter hinterlässt. Zu keiner Zeit entsteht auch nur annähernd der Eindruck, das die gezeigten Geschehnisse irgenwie gestellt sind, vielmehr glaubt man sich in einer Reality-Dokumentation zu befinden, die verschiedendste Emotionen in einem wachruft. Ist man einerseits von den Verhältnissen und der teilweise vorhandenen Gewalt richtiggehend geschockt, so amüsieren einen vor allem die beiden Hauptdarsteller immer wieder in ihrem Bestreben, das beste aus ihrem kargen Dasein herauszuholen. Dabei lassen sich diese auch nicht von unverhohlenem Rassismus oder so manche Demütigung aus der Bahn werfen, vielmehr sind es gerade diese negativen Erfahrungen, die sie schon in frühen Jahren prägen und teilweise auch recht erwachsen wirken lassen. Eine extrem ausgeprägte Fantasie und die pure Unternehmungslust sorgen immer wieder für Momente, von denen fast schon eine Art magischer Zauber ausgeht, der jedoch ständig von teils bitteren Passagen unterbrochen wird, die einem die harte Realität vor Augen führen.

Letztendlich kann man diese TV-Serie nur als absolut gelungen bezeichnen und es ist einfach absolut faszinierend, die jungen Darsteller auf ihrem Weg durch ihr ärmliches Leben zu begleiten. Trotz aller Entbehrungen führen die Teenager ein scheinbar glückliches Leben, das ganz offensichtlich nicht nur durch Wohlstand und Privilegien möglich ist. "City of Men" ist ein Aufeinandertreffen der stärksten Kontraste und das macht wohl auch den riesigen Erfolg dieses Formates aus. Gleichzeitig wird einem eindringlich vor Augen geführt, das man selbst unter den schlimmsten Lebensumständen durchaus so etwas wie Glück verspüren kann, das sich manchmal in absoluten Kleinigkeiten zu erkennen gibt. Sei es das erste Liebes-Abenteuer oder einfach eine üppige Mahlzeit, denn wenn man im Prinzip eigentlich gar nichts besitzt dann werden für uns selbstverständliche Kleinigkeiten zu einem Erlebnis, das etwas ganz Besonderes im Leben eines Teenagers darstellt. Von diesen Dingen bekommt man hier eine ganze menge geboten und so manche Episode stimmt einen auch sehr nachdenklich, so das man eventuell auch ein etwas anderes Verständnis für so manche Dinge entwickelt, die einem bisher als absolut selbstverständlich erschienen sind.


Fazit:


"City of Men" ist eine in allen Belangen sehenswerte TV-Serie, die ihre Stärken ganz eindeutig in ihren Darstellern und ihrer glaubwürdigen Darstellung hat. Trotz aller Ernsthaftigkeit und vorhandener Härte präsentieren sich auch immer wieder Momente die äußerst viel Humor enthalten, was im Endeffekt für eine absolut brillante Kombination sorgt, an der man seine helle Freude hat. Ich fühlte mich jedenfalls bestens unterhalten und kann definitiv eine klare Empfehlung für diese Box aussprechen, in der außerdem auch noch die lohnenswerte Dokumentation "Favela Rising" enthalten ist.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DD 5.1, DD 2.0 Surround / Portugiesisch DD 2.0 Surround
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,33:1
Laufzeit: 434 Minuten
Extras: Trailershows, Doku "Favela Rising"

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