Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Post subject: La Petite Mort (2009)
PostPosted: 18. Jan 2013, 17:29 
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La Petite Mort
(La Petite Mort)
mit Manoush, Andreas Pape, Ines Zahmoul, Anna Habeck, Annika Strauss, Magdalena Kalley, Martin Hentschel, Tanja Kanus, Susanne Gerne, Oliver Maack, Stefan Naas, Lars Rohnstock, Marc Rohnstock
Regie: Marcel Walz
Drehbuch: Marcel Walz
Kamera: Andreas Pape / Marcel Walz
Musik: Michael Donner
ungeprüft
Deutschland / 2009

10 Stunden trennen sie von Sommer, Sonne und Strand. Simon, dessen blinde Freundin Ninja und die aufgeweckte Dodo müssen vor ihrem Abflug nach Mallorca, in Frankfurt umsteigen. Genug Zeit, um sich noch die Stadt anzuschauen. Doch nachdem sie ausgeraubt werden, landen sie zufällig im Maison de la petite mort, Schauplatz für die abscheulichen Perversitäten und blutgetränkten Spielchen der High Society Frankfurts. Hausherrin Fabienne und ihre missratenen Töchter Dominique und Angelique bewirtschaften das Etablissement. Bestialische Folterungen, ekelerregende Morde und die Fieber-Phantasien unsagbar kranker Hirne, erwarten die jungen Urlauber.


Immer wieder machen diverse deutsche Amateur-Produktionen auf sich aufmerksam und im unendlich tiefen Sumpf der meisten eher miesen Werke sticht dann doch einmal ab und zu ein Film heraus, der sich recht wohlwollend vom üblichen Einheitsbrei abhebt. "La Petite Mort" von Marcel Walz (Schlaraffenhaus) ist meiner Meinung nach in diese Kategorie einzuordnen, wobei der Film längst nicht perfekt ist und auch einige der üblichen Mankos aufweist. Nicht umsonst wird die Geschichte als deutsches Pendant zu Eli Roth's Folterfilm "Hostel" angesehen, denn die Geschehnisse lassen doch sehr starke Ähnlichkeiten erkennen. So kann man sich als Zuschauer auch ziemlich gut ausmalen, das man im Laufe der Zeit mit etlichen Perversitäten konfrontiert wird, die einem einen tiefen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele gestatten. Dabei beginnt alles relativ harmlos, in den ersten gut 20 Minuten wird man mit eher belanglosen Dingen konfrontiert und muss sich mit langweiligen Dialogen auseinandersetzen, die nicht unbedingt für einen hohen Unterhaltungswert sorgen. Marcel Walz versucht in diesem Zeitraum, die Haupt-Figuren in den Vordergrund zu stellen und ihnen ein gewisses Profil zu verleihen, damit der Betrachter einen Bezug zu ihnen herstellen kann. Doch leider gelingt dies nur teilweise, da die Skizzierung doch eher oberflächlich ausfällt und die Darsteller nicht sonderlich symphatisch erscheinen. Für den weiteren Verlauf ist das in meinen Augen ein nicht unwesentlicher Aspekt, denn trotz der später auftretenden Grausamkeiten entwickelt man im Prinzip nicht sonderlich viel Mitleid mit den Opfern, die viel zu blass und jederzeit austauschbar dargestellt werden.

Nachdem man die langatmige Einführungs-Phase in die Geschichte hinter sich hat, geht es dann aber so richtig zur Sache und die Geschichte schlägt eine Richtung ein, in der das Hauptaugenmerk auf extrem harte und gut gemachte SFX gelegt ist. Bei diesen merkt man dann auch sofort, das mit Olaf Ittenbach ein echter Könner am Werk war und wohl sichtlich Freude daran hatte, den Zuschauer mit einigen richtig derben Effekten zu schocken. In diesem Punkt eröffnet sich dann auch das absolute Highlight dieses Werkes, das aber auch ansonsten noch etwas zu bieten hat. Das Szenario ist nämlich mit einer erstklassigen Grundstimmung ausgestattet, die äußerst düster-und auch bedrohlich daherkommt. In der Location des schmierigen Etablissements wird einem ein starkes Gefühl der Beklemmung vermittelt, das man auch bis zum Ende nicht mehr abschütteln kann. In dieser Beziehung gibt es an "La Petite Mort" wirklich nichts auszusetzen, denn handwerklich und atmosphärisch ist der Film absolut gelungen, es sind vielmehr einige andere Dinge, die den Gesamteindruck ein wenig nach unten drücken und ein besseres Urteil verhindern.

In erster Linie sind hier die Darsteller zu nennen, die nicht unbedingt mit sehr viel Talent ausgestattet sind. natürlich sollte man dabei nicht vergessen das es sich hier um eine Amateur-Produktion handelt, doch gibt es auch genügend Beispiele dafür, das auch in solchen Filmen gutes Schauspiel keine Seltenheit ist. Hier aber fühlt man sich phasenweise an eine Daily-Soap erinnert, die Darstellungen der Akteure wirken stellenweise künstlich und aufgesetzt, in etlichen Passagen verspürt man sogar ein wenig Theatralik. Das kommt dem Ganzen leider nicht unbedingt zu Gute, sondern verwässert den ansonsten recht guten Eindruck des Geschehens. Mit besseren Schauspielern wäre weitaus mehr möglich gewesen und die Geschichte hätte einen noch intensiveren Eindruck hinterlassen, als es so schon der Fall ist. Denn eines muss man diesem Werk auf jeden Fall lassen, die Wirkung auf den Betrachter ist keinesfalls zu unterschätzen. Und damit meine ich nicht nur die knallharten Effekte, sondern auch die Situation an sich, in der sich die Opfer befinden. Auch wenn man mit ihnen selbst aus den schon erwähnten Gründen nicht sonderlich viel Mitleid empfindet, so hinterlässt ihre aussichtslose Lage doch einen Beigeschmack, der extrem bitter ist. Der eigene Verstand will sich weigern das Gesehene zu akzeptieren, mann will einfach nicht glauben das Menschen zu solchen Dingen fähig sind, wie sie hier in Szene gesetzt wurden.

Letztendlich muss man Marcel Walz zugestehen, das er mit "La Petite Mort" einen wirklich guten-und sehenswerten Amateur-Film auf den Weg gebracht hat, der aber auch nicht frei von einigen Defiziten ist. Die ziemlich belanglose Einführungs-Phase und die eher schlechten Schauspielleistungen der Protagonisten verhindern ein weitaus besseres Gesamturteil. Dennoch ist dieser Film absolut sehenswert und überzeugt vor allem durch die sehr stimmige Grundstimmung, sowie die exzellenten SFX von Olaf Ittenbach. Wer Filme wie "Hostel" mag sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren, denn im Bezug auf Härte und auch Wirkung steht diese Produktion dem amerikanischen Vorbild in nichts nach.


Fazit:


Trotz der erwähnten Mängel siedelt sich diese Produktion auf jeden Fall über dem Durchschnitt an und und Jung-Regisseur Marcel Walz lässt phasenweise Talent für eine wirklich gelungene Inszenierung erkennen. Allerdings sollte er sich in Zukunft mit etwas besseren Darstellern umgeben, um seinen Filmen noch mehr Profil und Aussagekraft zu verleihen.


6/10

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 Post subject: Re: La Petite Mort
PostPosted: 18. Jan 2013, 18:53 
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Ich weiß nicht... der Film war irgendwie nicht mein Geschmack, Weder von der Story noch von sonst irgendwas. Er rangiert deshalb eher in den unteren Wertungskategorien so irgendwie zwischen 2 und 4. Und nur, weil Ittenbach drauf steht, muss nicht immer auch Ittenbach drin sein. Dieser Film hat so einige Mängel und hätte deshalb für mich eher in die Mekerecke gepasst.

Vom Amateurfaktor her ist der gar nicht so amateurhaft, wie man erwarten könnte. Auf jeden Fall nicht ganz meins.

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Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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 Post subject: Re: La Petite Mort (2009)
PostPosted: 23. Jul 2013, 08:16 
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Und auch hier nochmal eine über 2 Jahre alte Kritik von mir:

Simon, dessen Freundin Nina und Dodo sind auf dem Weg in den Urlaub nach Mallorca. Auf dem Weg dorthin halten sie für einige Stunden in Frankfurt, da sie von dort am Abend weiterfliegen sollen. Um sich die Zeit etwas zuvertreiben, entschließen die drei in eine kleine Kneipe zu gehen und sich dort etwas auszuruhen. Doch Simons Gespür soll die drei in einen SM-Laden führen. Was für die drei zu einem Aufenthalt in der Hölle werden soll.

Oftmals wurde Marcel Walz's Film mit Hostel verglichen, doch er hat einen entscheidenen Vorteil zu dem Werk von Eli Roth und zwar hält sich LPM nicht mit langer Vorgeschichte auf,sondern steigt nach nur wenigen Minuten richtig tief in eine sehr verstörende Geschichte ein. Bei Hostel muss der Zuschauer lange ertragen, wie drei Jugendliche nur Drogen, Sex und Spaß im Kopf haben, dadurch entwickelt man auch wenig Sympathie zu den Charakteren. Marcel Walz scheint diese Probleme entdeckt zu haben und macht es bei seinem Film viel besser. Das Paar um Simon und Nina, sowie deren Freundin Dodo sind viel natürlicher und haben vorallem auch einen gewissen Sympathiewert, welche den Zuschauer mitleiden lässt, bei den Sachen, welche ihnen zugefügt werden.

Die Schauspieler gehören wohl zu dem Besten, was die deutsche Amateurszene zu bieten hat. Von Andreas Pape über Manoush bis hin zu Magdalena Kalley und Thomas Kercmar. Die Cast setzt sich aus sehr professionell agierenden Leuten zusammen, welche den nötige Ernsthaftigkeit an den Tag legen. Besonders möchte ich hierbei Magdalena Kalley erwähnen, welche die verstörte und abhängige Angelique wirklich perfekt spielt und den Zuschauer ein wahres Grausen über den Rücken jagt. Aber auch Annika Strauß überzeugt als Sklavin von Maman.

Die Effekte, ja die Effekte, hier hat man sich nicht lumpen lassen und den deutschen Special Effekts Meister Olaf Ittenbach verpflichtet. Die Effekte sind sehr hart und mit hart meine ich wirklich sehr ernst und krank umgesetzt. Man darf hier zwar keinen übermässigen Blutfluss erwarten, jedoch würde dies in diesem Film auch alles andere als passend wirken. Da die wenigen Effekte die morbide Atmosphäre sehr gut unterstützen. Die Music von Michael Donner tut ihr übriges.

Fazit: Ein sehr gut gemachter, deutscher Amateurfilm, der anders als seine Verwandten weniger auf Spaß, als viel mehr auf eine kranke Atmosphäre setzt. Was ihn angenehm von den anderen Amateurfilm abhebt. Pflicht für jeden Fan des Amateurkinos!

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