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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Post subject: Der letzte König von Schottland (2006)
PostPosted: 31. Jan 2013, 23:40 
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Der letzte König von Schottland
(The Last King of Scotland)
mit Forest Whitaker, James McAvoy, Kerry Washington, Gillian Anderson, Simon McBurney, David Oyelowo, Abby Mukiibi Nkaaga, Adam Kotz, Barbara Rafferty, David Ashton, Giles Foden, Andy Williams
Regie: Kevin Macdonald
Drehbuch: Peter Morgan / Jeremy Brock
Kamera: Anthony Dod Mantle
Musik: Alex Heffes
FSK 16
Großbritannien / 2006

Der junge schottische Arzt Nicholas Garrigan (James McAvoy) ist in Uganda am Ziel seiner Wünsche angelangt: Eine fremde Kultur und die Möglichkeit, das Gesundheitssystem mit aufzubauen, wecken seine Abenteuerlust. Unerwartet wird er zu einem Verkehrsunfall gerufen, in den der Staatspräsident Idi Amin (Forest Whitaker) verwickelt ist. Schnell steigt er zu dessen Leibarzt auf und gehört bald zum Kreis der engsten Vertrauten. Verwöhnt und vom Luxus berauscht, übersieht Garrigan zunächst die Gräueltaten, die um ihn herum geschehen. Als er dann doch endlich Stellung bezieht, ist es beinahe schon zu spät. Und obendrein wendet der Diktator sich gegen seinen einstigen Schützling...


Das ist einer der Filme, der mich wirklich sehr positiv überrascht hat. Hier ist ein sehr eindrucksvolles Drama mit sehr viel Tiefgang entstanden, das jederzeit dazu in der Lage ist, den Zuschauer zu fesseln und zu faszinieren. Die Geschichte wurde hier so beeindruckend in Szene gesetzt, das es den Betrachter teilweise schockiert, aber gleichzeitig auch nachhaltig beeindruckt. Das liegt natürlich auch an den absolut genialen darstellerischen Leistungen, bei denen sich vor allem Forest Whitaker in der Rolle des "Schlächters" Idi Amin besonders hervorhebt. Er verleiht dem Charakter eine 100 % ige Glaubhaftigkeit, wobei vor allem die Gemütsschwankungen des Diktators besonders gut hervorgehoben werden. So entsteht wirklich der Eindruck, das man es hier mit einem Kind im Körper eines Erwachsenen zu tun hat, für das alle Geschehnisse wie ein Spiel erscheinen. Es ist absolut beeindruckend, wie hier wirkliche Geschehnisse nachgezeichnet werden die dem Zuschauer aufgrund ihrer Authenzität kalte Schauer über den Rücken jagen.

Die subtile Härte, die der Film teilweise beinhaltet, wird sehr gut transportiert und löst beim Betrachter doch ein ziemlich starkes Gefühl der Beklemmung aus, man fühlt sich teilweise sehr unbehaglich, wenn man versucht, sich in die Rolle der Opfer zu versetzen. Ist die Bevölkerung zu Beginn noch sehr froh über den Machtwechsel, so macht sich doch sehr schnell Angst und Schrecken in Uganda breit, da es mit der Zeit zu wahren Massenschlachtungen kommt und jeder aus dem Weg geräumt wird, der nur ansatzweise eine Gefahr für den Diktator darstellen könnte. Gerade die etlichen Gemütsschwankungen des Präsidenten entpuppen sich immer mehr als eine Gefahr für die Bevölkerung, die immer mehr der puren Willkür des Schlächters ausgesetzt sind und sich zu keiner Zeit ihres Lebens sicher sein können. Lediglich Dr. Garrigan (James McAvoy) kann die ganzen Ereignisse nicht so ganz glauben und steht als Leibarzt eine lange Zeit unbeirrbar an der Seite des kindlichen Diktators, bevor selbst er seine Augen nicht mehr vor der schrecklichen Wahrheit verschließen kann. Auch McAlvoy brilliert durch brillantes Schauspiel und bringt vor allem die Naivität des jungen Arztes ganz erstklassig zum Ausdruck.

Der Film ist atmosphärisch sehr dicht und die Atmo ist auch sehr bedrohlich, sie zieht den Zuschauer förmlich in ihren Bann. Die Schauplätze und Kulissen vermitteln auch einen sehr guten Eindruck der damaligen Zeit und tragen so ihren nicht gerade unwesentlichen Teil zur hohen Glaubwürdigkeit der Geschehnisse bei. Die Härte und die Grausamkeit des Regimes wird zwar nicht durch explizite Gewaltdarstellungen zum Ausdruck gebracht, sondern vielmehr immer nur angedeutet, doch reicht dies schon vollkommen aus, um im Kopf des Betrachters einen erheblichen Härtegrad entstehen zu lassen, der eine ungeheure Wucht hinterlässt und nicht so leicht zu verdauen ist. Dafür mitverantwortlich ist selbstverständlich auch der Aspekt, das es sich hier um die Nachzeichnung wahrer Ereignisse handelt, was dann doch immer noch eine ganz andere Wirkung hinterlässt, als wenn es sich um pure Fiktion handeln würde.

Man sollte sich diesen tollen und sehr eindrucksvollen Film auf jeden Fall anschauen, denn es lohnt sich wirklich. Letztendlich hat Regisseur Kevin MacDonald ein extrem nachhaltiges Drama geschaffen, das seine ganze Kraft nicht nur aus den schrecklichen Ereignissen, sondern insbesondere durch die brillanten Darsteller bezieht, wobei die beiden Hauptfiguren ganz klar im Focus stehen. Als fast schon meisterlich kann man dabei die Performance von Forest Whitaker bezeichnen, verleiht er der Figur des Idi Amin doch eine Seele und bringt insbesondere dessen Gemütskrankheit mehr als nur eindrucksvoll zum Vorschein. Dabei entsteht eine schon fast erschreckende Authenzität, die sich auch ganz automatisch auf den Zuschauer überträgt, den nicht selten das Gefühl überkommt, das er sich vielmehr in einer erschreckenden Reality-Doku als in einem Spielfilm befindet. Wer diesen wirklich eindrucksvollen Film bis jetzt noch nicht gesehen hat, sollte dies schnellstens ändern, da man ansonsten ein absolut beeindruckendes Drama verpasst.


Fazit:


"Der letzte König von Schottland" ist ein ziemlich irreführender Titel, wenn man die behandelte Thematik nicht kennt. Auf jeden fall aber beinhaltet das Werk ein Stück Zeitgeschichte, das erstklassig nachgezeichnet wurde und dem Betrachter einen eindrucksvollen Einblick in das Leid eines Volkes gewährt, das jahrelang unter der Knechtschaft eines echten Schlächters leiden musste. Die ständigen Schwankungen zwischen einem kleinen, naiven Kind und einem Mann, der an Grausamkeit kaum zu überbieten war entfacht dabei eine so große Gefahr für die Bevölkerung, die man kaum in Worte fassen kann, sondern selbst gesehen haben muss, um die Angst und Panik nachvollziehen zu können die hier ganzzeitig vorherrscht.




9/10

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